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Henriette Müller
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Pressestimmen

Henriette Müller
"...blessed with something rare - an individual voice"


Konzertkritiken

Fulminantes Eröffnungskonzert

Murrhardt (eke) – so ein vielseitiges, modernes und unkonventionelles Hörerlebnis gab es wohl noch nie an einem Sonntagabend in der Stadtkirche zu genießen. Denn das fulminante Eröffnungskonzert des 8. Murrhardter Orgelsommers der evangelischen Kirchenmusik war eine durchweg faszinierende CrossOver-Klangreise mit einer spannenden und grenzüberschreitenden Musik-Mischung ganz unterschiedlicher Stile. mehr...

Murrharder Zeitung 07.06.2005


Beeindruckende Spannung und Raum

Poesie und Musik bilden eine homogene Einheit
Henriette Müller und Simon Pauli

Im Kirchenmusikprogramm der Pauluskirche Darmstadt finden sich seit Jahren auch Veranstaltungen, die mehr oder weniger deutliche Affinitäten zu Musikstilen aufwiesen, deren Ausdrucksmittel nicht unbedingt in die kirchliche Liturgie weist. Doch setzen Konzerte mit den OrganistInnen Barbara Dennerlein und Hans-Günther Wauer, mit Günter "Baby" Sommer, Christoph Dell oder wie Ende Januar dieses Jahres mit Henriette Müller und Simon Pauli eine Tradition fort, die in den 60ger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann und dem Jazz auch in der Kirche eine gewisses Terrain einräumte.

"Snake Dance" hieß die erste Veranstaltung des diesjährigen Kirchenmusikprogramms der Paulusgemeinde. Das Duo Henriette Müller, Sopransaxophon, und Simon Pauli, Elektrobässe, begab sich auf eine Klangreise, die vom Jazz in die zeitgenössische Musik führte. Textlich war sie u.a. verankert an Gedichten von May Ayim ("Silberne Lachtränen") oder musikalisierte Aphorismen aus Laotses "Tao-te-ching" ("Weich und biegsam"), offerierte dabei neben Jazz auch Verfahrensweisen der europäischen Neuen Musik des 20.Jahrhunderts. In "Snake Dance" verarbeiteten die beiden Musiker gekonnt Einflüsse arabischer, indischer und tibetanischer Volksmusiken; dies ist auch der Titel der zweiten, dieser Tage erschienenen CD Henriette Müllers, ebenfalls in Begleitung des Bassisten Simon Pauli, in einigen Titeln mit der Cellistin Marika Gejrot sowie Johannes Bockholt, Perkussion.

Sieht man es vom Standpunkt der Komponistin und Interpretin Henreitte Müller, Absolventin der Manhattan School of Music in New York, basiert das dargebotene Programm auf in Musik umgesetzte zeitnahe Gedichten und atmosphärisch fühlbaren Emotionen, die bewusst oder intuitiv den Tanz des Lebens zum Thema haben: Fröhlichkeit und Trauer lieben ebenso dicht beisammen wie Dissonanz oder Harmonie. In "Silberne Lachtränen" wie auch in "Snake Dance" wechseln sich impressionistische Klanglandschaften mit Glissandi und Mikrotönen ab mit Phasen weniger, aber tonnenschwerer Tonfolgen, manchmal nur einem einzigen Ton. Dabei stehen sich das Sopransaxophon Henriette Müllers ebenso nahe wie die Bassgitarre Simon Paulis, der Absolvent des Berklee College Of Music war und seit 1986 ebenso wie Henriette Müller als Komponist und Arrangeur in Berlin lebt und wirkt. Die hier gewählte bewusste Konzentration des musikalisch Dargebotenen lediglich auf zwei Instrumente, auf Sopransaxophon (Henriette Müller) und Bassgitarre (Simon Pauli), dient einer angestrebten hohen Klanglichkeit, bei der sogar die Akustik des Kirchenschiffs eine zusätzliche Farbe einbringt, da bei bestimmten Tönen sogar die Kirchenorgel mitzuschwingen scheint. In "Two shades of blue" sind die musikalischen Werkzeuge ein urbaner Blues, Zwölftontechniken, modale Strukturen; neben rhythmischer Einfachheit kommt auch eine gewisse Komplexität zum Vorschein. Nicht nur hier, auch in der Zugabe, "Letting Go" stecken Grundelemente des Jazz, elegant verknüpft mit europäischer Kunstmusik, rhythmische Spannung, die sich mit Farbigkeit und Klanglichkeit auflädt. "A little cuckoo" kokettiert mit einer gewissen "Pink-Panther-Atmosphähre". Diese Musik verdient viel Resonanz, sie lebt nicht vom Augenblick sondern schafft beeindruckende Spannung und Raum

Ulf Goeman im Jazzpodium Nr. 3, März 2005


Zerbrechliche Melodien zum Leuchten gebracht

Ein Trio um die Berliner Saxophonistin Henriette Müller spielte in der gut besuchten Münsinger Zehntscheuer auf - eindringlich und dennoch entspannt.

Jung sind die drei Musiker aus Berlin nicht mehr, als "Nachwuchsformation" sind sie kaum noch zu bezeichnen. Dazu sind sie auch zu perfekt eingespielt. Mit absoluter Konzentration und Klarheit bringen Saxophonistin Henriette Müller, Bassist Simon Pauli und Johannes Bockholt am Mini-Schlagzeug Müllers zerbrechliche Melodien zum Leuchten... Die Stille zwischen den Rhythmen lebt, und das Publikum atmet mit. Müllers Saxophonspiel zeichnet sich durch einen ungewöhnlich akademischen und doch warmen Ton aus, der in perfekt gespielte Improvisationspassagen mündet.

Die Rollen des Melodieführenden und Rhythmusgebenden wechseln ständig. Auch die beiden Mitspieler im Trio ziehen alle Register ihres Könnens: Simon Pauli greift und zupft den E-Bass selbst in den oberen Lagen akzentuiert, seine häufig eingestreuten Stegreif-Läufe bleiben stets harmonisch und überraschend. Ebenso druckvoll und umsichtig agiert Johannes Bockholt am Schlagzeug.

Und obwohl die Musiker bewusst auf die Darstellung von technischen Höchstleistungen meist verzichten, zwingt vor allem die Bandleaderin Henriette Müller die Zuhörer durch perfekt aufeinander abgestimmte Parts zum aufmerksamen Zuhören. Als würde ihnen das ausschließlich aus Eigenkompositionen bestehende Programm keinerlei Anstrengung abverlangen, gehen die drei Musiker mit lächelnder Lockerheit und frappierender Leichthändigkeit zu Werke: Einfühlsam, mit lebendigem Klang und klugen dynamischen Feinabstufungen führt Henriette Müller an, die anderen folgen hellhörig und sensibel.

Eine einfache Rhythmusstruktur beginnt bei den Stücken "Silberne Lachtränen" und "Allegria ma non senza tristezza" von innen heraus zu federn und die Musik fortzutragen. Ein Motivsplitter, mit dem richtigen Gewicht platziert, wendet den Gang der Dinge. Mit einem feinen Sinn für Klangbalance agieren die drei in beinahe heiliger Eintracht.

Fast unmerklich lösen sich da die einzelnen Instrumente aus dem Gruppenverband und tauchen wieder ein, wie aus einem Guss zaubern sie feine Abstufungen, lassen in den Modulationen zeitgenössischer Kammermusik den Klang in verjazzte Regionen abtauchen.

Jürgen Spiess, Südwestpresse 25.02.2003


Kleine Traumreise
Musikalische Erzählungen in der Bergkirche


dho. - Ein Saxophon und ein E-Bass reichen schon aus, um zwei Stunden "musikalische Lyrik, die zum Nachdenken und zum Genießen gleichermaßen einlädt" zu bieten. Denken Henriette Müller und ihr Bassist Simon Pauli. Dass sie damit Recht haben, bewiesen die beiden Musiker aus Berlin nun in der Wiesbadener Bergkirche. Zwischen Aufbruch und Meditation gelang es ihnen mühelos, ihr Publikum auf kleine Traumreisen mitzunehmen.

Zerrissene Klangfetzen in synchroner Eintracht servierten sie in den Stücken der gemeinsam eingespielten CD "Silberne Lachtränen". In "The wheel" bekommt man schnell den programmatischen Hintergrund vermittelt. Es braucht immer mehrere Anläufe, um das Rad ins Rollen zu bekommen, doch jeder bringt eigene Fantasien mit. Sanft abgezogene Saxophon-Läufe, behutsam gesetzte Phrasierungen und angenehm einschmeichelnde Motivwiederholungen werden in kreativer Melange vereint.

Henriette Müller schreibt ihre Stücke selbst und man spürt deutlich den persönlichen Bezug zum eigenen Werk. Auch in einer "Allegria ma non senza tristezza", bei der zum Einstieg langgestreckte, dabei sich ständig in sich wandelnde Töne fast im Stillstand serviert werden. Darunter düsteres Bassgrummeln. Kernige Riffs wecken den Zuhörer aus einer aufkommenden Lethargie und treiben voran, Henriette Müller legt darüber weich ineinander fließende Melodiefragmente. Die Saxophonistin legt in ihre Themenfindung viel direkte Ansprache hinein. Zwar verziert sie gerne, verliert sich schnell in langen komplexen Kadenzen, doch auch dann gilt jede Note ganz für sich selbst.

Alles zusammen löst einen stark kommunikativen, meist erzählenden Anspruch ein, der auch zwischen den beiden Musikern immer wieder im Vordergrund steht. Virtuosen sind sowohl Henriette Müller als auch Simon Pauli und schnell entsteht der Eindruck reibungslos funktionierender Gemeinschaft. Meistens winden sie sich elegant um einfache Melodieansätze, bringen ihre unterschiedlichen Charaktere ein und schaffen so ein originelles Werk, das einzigartig, aber mit vielen Wiedererkennungseffekten versehen ist.

Der viel zitierte Spagat zwischen Jazz, Neuer Musik und klassischen Ursprüngen ist als solcher einfach schon deshalb nicht wahrnehmbar, weil sich die beiden darum offensichtlich kaum scheren. Sehr impulsiv, intuitiv ist das Ganze und braucht daher die Krücke der Vergleichbarkeit nicht. Wer ungetrübten Genuss ohne störende Belehrung suchte, war hier genau richtig.

Wiesbadener Tagblatt - Feuilleton vom 21. Jan. 2003


Magier auf Klangreise

Ein erstklassiges Duo: Die Saxophonistin und Komponistin Henriette Müller und der Bassist Simon Pauli gastierten in der Wiblinger Versöhnungskirche.

Jazz, Neue Musik oder New Age? Egal. Ein unkonventionelles Konzept, ein unkonventionelles Duo, bei dem die Grenzen der Stilistik ebenso verflossen wie jene zwischen auskomponierter Musik und Improvisation. Mit Klischees kommt man bei der gebürtigen Ulmerin Henriette Müller nicht weit. Wo findet man schon eine Sopran- und Tenorsaxophonistin, die seit ihrem Master-Diplom 1994 an der Manhattan School of Music im Jazz verwurzelt blieb und nicht nur weltweit konzertiert, sonder eine profilierte Komponistin ist, die ganz eigene Wege geht?

Aus ihrer Feder stammen alle Stücke der neuen CD "Silberne Lachtränen", die das Duo aus Berlin auf Konzertreise durch Schwaben vorstellt. Wer allerdings wegen dieses CD-Titels akustische Gags erwartet hatte, der war auf dem Holzweg. Doch wer Klangwelten à la Jan Garbarek oder Michael Riessler liebt, der war bei dem seit langem eingespielten Duo und seinem erstklassigen kammermusikalischen Niveau in der Wiblinger Versöhnungskirche goldrichtig.

In der großzügigen Raumakustik kam die reizvolle Klangpaarung, die im Fortissimo die Scheiben zum Klirren brachte und deren basslastige Resonanzschwingungen sogar körperlich spürbar waren, wunderbar zur Entfaltung. Hören, entspannen, genießen und innere Ruhe gewinnen bei Titeln wie "The Wheel" oder "Meer-Frieden", das in seinem meditativen Flair auch als "mehr Frieden" lesbar ist. Doch zurücksinken und sich bloß treiben lassen, dafür war diese Musik viel zu spannend: Kein psychedelisch einlullendes Schubidu, sondern eine Ohrenweide, die in "A Little Cuckoo" tangoschwanger ihre charmantesten Seiten zeigte.

Simon Pauli ist ein gefragter Begleiter von Pop-, Jazz- und World-Music- Künstlern, aber er ist keiner, der das Griffbrett rauf- und runtersaust. Pauli ist vielmehr ein cooler, dezenter Könner mit Lust auf raffinierte experimentelle Effekte wie in "Snake Dance", der aber nie seine sensible Klangidentität verliert. Teils dialogisierend, teils kontrastierend in eigenständiger Melodieführung und in fesselnden Soli tummelten sich diese beiden Magier auf ihrer Klangreise.

Im jazzig-avantgardistischen, aber tonalen Geflecht vernetzten sie lyrische Gefühlstiefe mit treibenden Rhythmen, zogen ohne Technikprotzerei in zwei Stunden vielapplaudiert bis zur Zugabe "West 25th" als Hommage an New York ein Resümee zeitgemäßer Ausdrucksfähigkeit.

Christa Kanand, Südwestpresse - Ulmer Kulturspiegel 18.05.2002

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Snake Dance

"Scheinbar unvereinbar"

Gleich vorweg: Henriette Müller, hier im Quartett, hat einen eigenwilligen Tonfall gefunden - irgendwo im Bermuda-Dreieck zwischen Jazz, Klassik und weltmusikalischen Einflüssen. Ruhig, sanft, meditativ, konzentriert, knapp, diskret groovend: So etwa könnte man ihren Stil beschreiben. Nichts ist beliebig, nichts ist nur dekorativ. Ihre Musik greift zwar Rhythmen und Tonleitern aus Europa, Afrika, USA und Indien auf, aber nicht im Sinn einer postmodern-polyglotten Zitier-Collage - ihre transkontinentale Musik hat immer auch mit Nachdenken über die Welt zu tun. "Leben, Frage" ist so eine klingende Sinn-Studie - tastende Linien, die einen Skalentyp des 1992 verstorbenen Neutöners Olivier Messiaen verwenden.

Asymmetrische Taktarten aus dem Orient ("Snake Dance"), tibetanische Gong-Sounds ("’Khar Rgna") und witziger Latin-Schluckauf ("The Joke") - das alles integriert Henriette Müller in angenehm unaufgeregten, eindringlichen, nachdenklichen und zuweilen leise humorigen Miniaturen. Nichts für Ex-und -Hopp-Konsumenten: Eher etwas zum Immer-Wieder-Reinhören - empfehlenswert für Kreuzüber-Fans, die Zeit mitbringen.

Otto Paul Burkhardt in
"Südwestpresse / Reutlinger Nachrichten" am 30.9.2004


"Snake Dance" ist das dritte Album der Berliner Komponistin und Saxophonistin Henriette Müller. Konsequent verwischt sie in ihren Stücken die Grenzen von Neuer Musik, Weltmusik und Jazz.

Cover Snake DanceHenriette Müller - "Snake Dance"

Zusammen mit Marika Gejrot (Violoncello), Simon Pauli (E-Bass) und Johannes Bockholt (Percussions) begibt sich die 43-Jährige auf eine feinsinnige musikalische Reise. Während das Titelstück mit seinen Orientalismen tatsächlich klingt, als wolle Henriette Müller mit ihrem Sopransaxophon Schlangen beschwören, strahlen Stücke wie "Explorations" oder "’Khar Rnga" eine geradezu meditative Stimmung aus.

So manch zart-fragile Cello-Passage könnte auch aus Schostakowitschs Streichquartetten stammen, immer wieder jedoch leben Müllers Kompositionen auch von Paulis und Bockholts rhythmischem Kontrapunkt. "Snake Dance" ist ein Album voll intimer Klänge und gleichzeitig von einer musikalischen Tiefgründigkeit geprägt, wie sie heute selten geworden ist. Kein Stoff zum Nebenbeihören.

Johannes Kloth in www.jazzdimensions.de


Henriette Müller bewegt sich mit ihrer neuen CD Snake Dance noch mehr weg vom Jazz, hin in Richtung zeitgenössischer Musik. Die Berliner Saxophonistin hat den Nachfolger von Silberne Lachtränen, dessen Weg sie konsequent weiterverfolgt, wieder in ihrem eingespielten Trio aufgenommen. Am E-Bass begleitet Simon Pauli kongenial, und Percussionist Johannes Bockholt färbt das "Lied der Schlange" mit vielfältigen Rhythmen und Geräuschen. Henriette Müllers Indienaufenthalte haben deutliche Spuren hinterlassen, sie experimentiert mit anderen Skalen und teilweise auch mit Mikrointervallen auf dem Sopransaxophon. Neu dazu gekommen ist ein Streichinstrument. Vor allem im Stück "Explorations" reiben sich Müllers Saxophon und Marika Gejrots Cello so, dass man den Klangursprung schwer ausmachen kann. Mal klingt es orientalisch, mal flippen Tangoschnipsel im Duo durch den Raum, mal hört man deutlich, dass Henriette Müller neben ihrer Arbeit als Saxophonistin auch als Komponistin für Chor und Orchesterwerke arbeitet. Sie schafft es, den orchestralen Ansatz auch in die sparsame Triobesetzung zu übernehmen Die Stücke balancieren gekonnt zwischen starken, festgelegten Strukturen und großem Freiraum für alle Musiker.
Snake Dance ist sperrige Musik in der Hinsicht, dass sie sich nicht leicht in die gängigen Schublanden hineinpressen lassen will. Was in Worten wie "irgendwo zwischen improvisierter Musik, Klassik und zeitgenössischer Komposition" so gestolpert klingt, ist beim Anhören sehr schlüssig und logisch. Allerdings verlangt Snake Dance vom Zuhörer, dass er sich die Zeit und Ruhe zum Zuhören nimmt. Dann erst entwickelt sich die Schönheit der Kompositionen.

Angela Ballhorn in Jazzthetik "03.2004"

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Silberne Lachtränen

Wie breit das Spektrum der improvisierten Musik heutzutage ist, wird an nicht alltäglichen Produktionen deutlich wie Henriette Müllers "Silbernen Lachtränen". Um ihrem Konzept gerecht zu werden, muß man die Vorstellung von swingender, rockiger, kraftvoller und voller Rhythmus angetriebener improvisierter Musik, die afro-amerikanische Quellen nicht verschweigt, vergessen und sich statt dessen in die europäische und deutsche Musiktradition begeben. Rhythmus und Tonbildung sind feinsinniger, voller lyrischer Elemente, lassen auch in Harmonien und Melodien außereuropäische Elemente erahnen, beispielsweise im Dialog mit volksliedhaften Melodien aus dem eigenen Kulturkreis, die man seit der Kindheit gehört zu glauben meint. Ihre Nähe zur klassischen Musik ist an vielen Stellen unüberhörbar. Und darüber hinaus beherrscht die Saxophonistin Müller perfekt die Kunst der Improvisation. Ihre Verhaltenheit lässt eine Spannung erleben, die gleich unter der Oberfläche beginnt. Ihre Saxophone klingen hell, klar und voller Poesie, das Sopran beinahe wie eine Oboe. Andere Kulturen der Welt hat sie erlebt, sowohl in ihrem ersten Beruf als Ärztin in Zimbabwe und Großbritannien als auch als Musikerin in New York, wo sie bei Rich deRosa, Lumilla Ulehla, Bob Mintzer und Dick Oatts studierte und es schaffte, mit ihrer eigenen Band im "Five Spot" und in der "Knitting Factory" aufzutreten. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin, wo auch die "Silbernen Lachtränen" beim SFB entstanden sind, zusammen mit dem Bassisten Simon Pauli und dem Perkussionisten Johannes Bockholt, der nicht nur Dozent in Berlin und Bogota ist, sondern auch mit Jane Ira Bloom, Sam Rivers, Aki Takase und dem Karnataka College of Percussion zu hören war. Die beiden Begleiter passen ideal in das Konzept von Henriette Müller, setzen die passenden Klangakzente...

Jazzpodium 10/2002


Harmonie und Dissonanz sind zwei musikalische Begriffe, die sich normalerweise gegenseitig ausschließen. Henriette Müller gelang auf ihrem zweiten Album (nach "Memories Of A Swan Song") die Versöhnung des Gegensätzlichen. Wie ihre kammermusikalischen zehn Titel zusammenklingen oder auseinander tönen, erschließt sich nicht direkt. War die erste CD noch sehr von einem Nach-Coltrane-Stil geprägt, exzessiv und mit Freejazz-Motiven ausgestattet, so kommen die silbernen Lachtränen in erheblich verfeinerter Form daher. Das Saxofon modifiziert ein Terrain aus lyrischen Einheiten und nahezu gesprochenen Klanggebilden. Den Rest übernehmen, zurückhaltend bis oppositionell, die Bassstrukturen von Simon Pauli und die Perkussion von Johannes Bockholt. Es fehlt viel von dem, was Jazz ausmacht. Aber Neue Musik ist es auch nicht, weil dafür nun wieder zu viel Rhythmik und Einflüsse verschiedener Tonfärbungen globaler Art verarbeitet wurden. Genau in diesem Spannungsbogen artikuliert sich die Musik von Henriette Müller.

"Jazzthing", Juni-August 2002


Für die CD der Berliner Saxophonistin Henriette Müller gibt es keine vorgefertigten Schubladen. Irgendwo zwischen meditativen Melodiebögen, tänzerischen Burlesken für E-Bass, Saxophon und Perkussion und fast schon klassischer Musik bewegen sich ihre Kompositionen. Henriette Müller schöpft aus ihrem reichen Erfahrungsschatz mit klassischer Komposition, Jazzbesetzungen und indischen Einflüssen. Viele Stücke auf Silberne Lachtränen haben fast schon entspannenden meditativen Charakter, obwohl in der Besetzung kein Akkordinstrument mit von der Partie ist. Ihr Saxophonsound ist - egal, ob auf dem Tenor- oder dem Sopransaxophon - einschmeichelnd und klingt sehr spielerisch. Zudem mischt er sich hervorragend mit Simon Paulis E-Bass-Sound. Pauli ist seit einiger Zeit fester Duo-Partner der Saxophonistin, manchmal wird die Besetzung auch zum Trio erweitert, doch man merkt Bass und Saxophon an, dass viele Proben und etliche Konzerte eine Einheit geschweißt haben. Pauli übernimmt in dieser Zweier- und Dreierkonstellation nicht nur die Rolle des Fundaments und des Timekeepers, sondern füllt auch die upper structures der Harmonien und webt so einen Teppich, auf dem sich Henriette Müller wohlig ausbreiten kann.

Angela Ballhorn in "Jazzthetik", Juni 2002

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Memories of a Swan Song

"Wovon sie alle träumen, Henriette Müller hat es geschafft: Zwei Jahre lang hat sie in New York studiert, ihren Masters of Music an der Manhattan School of Music gemacht und sich gleichzeitig einen Platz in der härtesten Szene der Welt erspielt -Engagements im Five Spot, der Knitting Factory oder im Guggenheim Museum (mit Superschlagzeuger Jim Black) geben davon Zeugnis. Die Debüt-CD ist eine Bilanz dieser Zeit...Dabei erweist sich Henriette Müller als eine reife Musikerin mit ausgeprägter eigener Stimme."

Marcus Gammel in "Jazzpodium" 10/96


Müller is blessed with something rare - an individual voice. On both soprano and tenor, she explores deep chasms of sound and abstract melody. on "Crazy Cradle", for example, Müller uses the percussive head as a base from which to sway the melody from side to side, never quite settling for the obvious. On "Searching For a Place To Be", she plays a simple but gorgeous melody that drifts over the rolling rhythms of bassist Peter Herbert and drummer Jeff Brillinger. The resulting effect is truly trance-inducing and quietly intense...this is a stunning debut."

Russ Summers im US-Musikmagazin "Option" 70, Sept./Oct. 1996


"Eine Produktion, die vom Perfektionismus und der Sensibilität der MusikerInnen lebt und sich aus dem technisch überladenen Klangbrei abhebt...Unaufdringliche Schlichtheit und sanfte, aber auch komplexe Melodienetze wechseln ab mit eigenwilligen Songwindungen, abrupten Brüchen und Breaks."

Anne Breick in Melodiva 3/96


"...Filigrane Klanggewebe..., die aus den eigenwillig melodischen Fäden der Leaderin einen subtilen, ungewöhnlichen Reiz gewinnen. Henriette Müller entlockt hier vorwiegend dem Sopran- aber auch demTenorsaxophon einen fein zerbrechlichen, vibratolosen Sound, der sich keiner bestimmten Schule zuordnen läßt, und dessen unaufdringliche Qualität sie auch in dem von ihr bevorzugten hohen Register bewahrt. Aus einer souveränen...Technik und einem sehr sanglichen Melodieverständnis entwickelt sie einen höchst persönlichen Stil, den sie durch ihre unprätentiösen aber einfallsreichen Kompositionen hervorragend in Szene zu setzen weiß."

Marcus Gammel in "Jazzpodium" 6/96

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